Auch wenn Du Dein Fahrzeug nach einem Unfall reparieren lässt, bleibt immer noch ein Restschaden. Bei einem Verkauft bekommst Du für ein Unfallfahrzeug längst nicht dieselbe Summe wie für ein vergleichbares Fahrzeug ohne Unfallschaden. Um diese Lücke zu schließen, steht Dir ein finanzieller Ausgleich in Form einer Wertminderung zu. Wann Du Anspruch auf eine Wertminderung hast und wie die Berechnung erfolgt, erklären wir Dir in diesem Beitrag.

Gilt die Wertminderung für alle Fahrzeuge?

Grundsätzlich gilt eine Wertminderung für alle Fahrzeuge mit repariertem Unfallschaden. So die Theorie. In er Praxis sieht es nämlich ganz anders aus. Das Deutsche Verkehrsgericht hat einige Richtlinien entwickelt, anhand deren entschieden wird, ob eine Wertminderung beansprucht werden kann oder nicht.

Eine Wertminderung kommt nicht in Frage, wenn

  • Das Erstzulassungsdatum des Fahrzeugs über fünf Jahre zurückliegt. Hier soll der hinterbliebene Restschaden nach einer Reparatur den Verkaufspreis des Fahrzeuges nicht mehr negativ beeinflussen
  • Der Kilometerstand des Fahrzeuges 100.000 Kilometer übersteigt. In diesem Fall soll das Auto schon sehr abgenutzt sein, dass eine Wertminderung nach einem Verkehrsunfall nicht mehr in Frage kommt
  • Ein kleiner Schaden vorliegt, wie zum Beispiel Parkrempler oder Lackkratzer, der mit einfachen Mitteln behoben werden kann – und zwar so, dass der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt ist

 

Wie wird eine Wertminderung berechnet?

Die Summe einer Wertminderung ist ein fiktiver Wert, der dadurch bestimmt wird, welchen Wertverlust das Auto im Falle eines Verkaufes haben würde. Ein Unfallfahrzeug kann bekanntermaßen nicht zum selben Preis erkauft werden, wie ein vergleichbares Fahrzeug ohne Unfallschaden. Die Wertminderung setzt sich aus dem Minderwert (in Prozent) der Summe vom Wiederbeschaffungswert und den Reparaturkosten zusammen. Als Anhaltspunkt für die Berechnung einer Wertminderung für ein Unfallauto kann folgende Tabelle herangezogen werden.

 

Beachte, dass diese Werte lediglich eine grobe Übersicht bieten. Wenn das Auto zuvor bereits einen Unfallschaden hatte oder vor dem Unfall in einem schlechteren Allgemeinzustand war als vergleichbare Fahrzeuge, kann die Summe der Wertminderung von den Richtwerten abweichen.

Für unsere Beispielrechnung orientieren wir uns aber nun an dieser Tabelle. Ein Fahrzeug mit einem Wiederbeschaffungswert von 20.000 Euro wurde für 2.000 Euro repariert. Das Auto befindet sich im zweiten Jahr nach Erstzulassung, die Wertminderung wird also gemäß Tabelle mit 4 % berechnet. So beträgt die Summe der Wertminderung, mit der der Schaden auszugleichen ist, 880 Euro.

Wer kommt für die Wertminderung auf?

Den Ausgleich der Wertminderung eines Fahrzeugs übernimmt die Versicherung des Unfallverursachers. Beachte, dass in diesem Fall immer nur der Eigentümer des Fahrzeuges, nicht aber der Fahrer, der während des Unfalls im Auto saß, die Summe für den Schadensausgleich bekommt. Der Eigentümer muss auch nicht mit dem Versicherungsnehmer übereinstimmen. Wird ein Fahrzeug von der Bank finanziert, ist diese auch bis zur vollständigen Abzahlung der Eigentümer des Fahrzeuges.

Wertminderung bei einem finanzierten Auto

Bei einem finanzierten Auto, kommt die Wertminderung zunächst der Bank zu. Die Wertminderung wird dann in der Regel auf den Restfinanzierungsbetrag angerechnet, sodass sich die Auszahlung für Dich nur auf einen späteren Zeitpunkt verschiebt. In manchen Fällen kannst Du Dich jedoch mit der Bank darüber einigen, dass diese Dir schon vorher die Wertminderung auszahlt.

Wertminderung bei einem Leasingfahrzeug

Ähnlich wie bei einem finanzierten Fahrzeug, steht auch bei einem Leasingfahrzeug die Wertminderung dem Eigentümer, also dem Leasinggeber zu. Diesen solltest Du nach einem Unfall umgehend informieren, da jeder Leasingpartner selbst regelt, wie der Leasingnehmer sich nach einem Verkehrsunfall zu verhalten hat.

Unfallgutachten durch einen Sachverständigen

Damit der Werteverlust nach einem Verkehrsunfall auch ganz sicher von der Versicherung akzeptiert wird, solltest Du einen Gutachter beauftragen. Der Sachverständige kann nach der Feststellung des Schadens auch die merkantile Wertminderung feststellen. Dein Vorteil: Die Anerkennung einer solchen Bewertung durch einen unabhängigen Gutachter ist so gut wie sicher. Bei Unfallschäden, die eine Summe von 750 Euro übersteigen, muss das Gutachten von der Versicherung des Unfallverursachers übernommen werden. Alle anderen Schäden – also Schäden unter 750 Euro – gehören zu den Bagatellschäden und werden ohnehin nicht in Betracht gezogen, wenn es um das Berechnen einer Wertminderung geht.