Das Erbschaftsrecht im Überblick – alles, was Du dazu wissen musst

Jeder von uns hinterlässt etwas auf dieser Welt, sobald wir von ihr gehen. Dies wird als Nachlass bezeichnet und kann entweder digital oder physikalische Form haben. Natürlich hinterlassen wir auch eine Lücke unter unseren Liebsten und schenken Ihnen Erinnerungen an eine schöne, gemeinsame Zeit. Das Erbschaftsrecht beschäftigt sich aber mit dem Übergang Deiner Habschaft an die Erben. Es regelt, dass Dein Hab und Gut auch nach deinem Tod entsprechend Deinem Willen an die gewünschte Person weitergegeben wird.

Damit das alles funktioniert, ist das Gesetz im Grundgesetzbuch verankert. Dadurch kann es zu keinen rechtlichen Einschränkungen kommen und flexible Spielräume gibt es damit ebenso keine.

Hier erfährst Du nun das Wichtigste.

Das Erbschaftsrecht und die Erbenordnung

Darüber hinaus legt das Erbschaftsrecht fest, ob ein Erbe überhaupt gültig und damit erbwürdig ist. So gilt zum Beispiel jemand als erbunwürdig, der den Tod des Erblassers mit Absicht zu verschulden hat. Das tritt auch dann in Kraft, wenn derjenige explizit im Testament erwähnt wurde.

 

Erbrecht von adoptierten Kindern – was ist mit den leiblichen Eltern?

Adoptierte Kinder erben stets den Pflichtteil ihrer Adoptiveltern. Das gilt unabhängig davon, ob sie im Minderjährigen- oder Erwachsenenalter in die Familie aufgenommen wurden.

Da die leiblichen Eltern nach der erfolgten Annahme nicht mehr in einem Verwandtschaftsverhältnis mit ihren biologischen Kindern stehen, wird auch ihr Erbrecht aufgehoben. Es haben dadurch also nicht nur Adoptivkinder keinen Anspruch mehr auf das Erbe der leiblichen Eltern, umgekehrt ist das genauso der Fall.

Wie funktioniert die gesetzliche Erbfolge? Wann erbt der Staat?

Von der ersten Ordnung wird der Nachlass immerzu unter den Erben der nächsthöheren Ordnung aufgeteilt. Hinterbliebene, die weder blutsverwandt noch angeheiratet oder adoptiert sind, erben nur dann etwas, wenn ein Testament existiert und sie in diesem berücksichtigt wurden.

Gibt es keinen Erben der ersten Ordnung, wird zur zweiten und danach zur dritten übergegangen. Lässt sich durch diese Vorgehensweise kein Erbe feststellen, geht Dein Besitz nach Deinem Ableben an den Staat über.

Gibt es nur einen Erben und ist dieser erbunwürdig, geht das Erbe ebenso an den Staat über. Wird testamentarisch nur ein Erbe festgelegt und dieser im Anschluss für erbunwürdig erklärt, tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft.

Die Erbfolge in Deutschland

  • 1. Ordnung
    • Ehepartner
    • Kinder
    • Enkelkinder
  • 2. Ordnung
    • Eltern
    • Geschwister
    • Nichten und Neffen
  • 3. Ordnung
    • Großeltern
    • Onkel und Tanken
  • Kein Erbfolger = Staat erbt

Hol’ Dir unsere kostenloses Musterschreiben!

Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum.

Steuerrecht: Erbschafts- und Schenkungssteuer: Höhe & Berechnung

Erbschaftssteuer

Sofern der jeweilige Steuerfreibetrag nicht ausgeschöpft wird, fällt die sogenannte Erbschaftssteuer an. Diese wird vom Staat erhoben und dementsprechend vom Finanzamt festgesetzt. Es gibt hier allerdings wenige Ausnahmen, so etwa bei Immobilien, die vom Erben mindestens zehn Jahre lang unmittelbar nach dem Erbfall bewohnt werden.

Schenkungssteuer

Während auf Schenkungen keine Erbschaftssteuer anfällt, wird stattdessen die Schenkungssteuer erhoben. Sie ist ganz ähnlich gelagert, wie die Erbschaftssteuer und wird auch gemeinsam mit ihr geregelt.

Es gelten dieselben Freibeträge, diese dürfen alle zehn Jahre ausgeschöpft werden. Vererben Eltern zum Beispiel ein Vermögen in Höhe von 700.000 Euro, können zunächst 400.000 Euro und zehn Jahre später weitere 300.000 Euro an das leibliche Kind vererbt werden, ohne dass hier eine Schenkungssteuer anfällt.

Schenkungen, die innerhalb der letzten zehn Jahre vor dem Tod des Erblassers vorgenommen wurden, werden dem Erbe und damit den Pflichtteilsansprüchen angerechnet. Dadurch entsteht eine sogenannte Ausgleichspflicht unter den Erben, solltest Du vor Deinem Tod Dein gesamtes Vermögen schenken. Der erhoffte Vorteil bleibt damit aus.

Wer sich dann beim Erbe benachteiligt sieht, kann seinen Pflichtteil einfordern. Das kann denjenigen, der die Schenkung erhalten, in eine bedrohliche Situation bringen. Etwa, wenn er ein Haus von Dir erhalten hat und nun dazu verpflichtet ist, die Erbanteile freizukaufen.

Das sind die Steuerklassen:

  • Steuerklasse I
    • Ehepartner & eingetragene Lebenspartner
    • Leibliche Kinder & Adoptivkinder
    • Enkelkinder und sämtliche weitere Nachkommen
    • Eltern & Großeltern
  • Steuerklasse II
    • Geschwister
    • Neffen & Nichten
    • Stiefeltern
    • Schwiegerkinder
  • Steuerklasse III
    • Nicht verwandte Freunde & Bekannte

Es gelten folgende Freibeträge:

  • Ehepartner & eingetragene Lebenspartner: 500.000 Euro
  • Leibliche Kinder & Adoptivkinder: 400.000 Euro
  • Enkelkinder: 200.000 Euro
  • Sonstige Nachkommen, Eltern & Großeltern: 100.000 Euro
  • Geschwister, Neffen & Nichten: 20.000 Euro
  • Steuerklasse III: 20.000 Euro

Zusätzlich dazu gibt es noch den Versorgungsfreibetrag. Dazu weiter unten mehr.

Sende Daten...

Es gelten folgende Prozentsätze für Erbschafts- und Schenkungssteuer:

Erbschaft in Euro Steuerklasse I Steuerklasse II Steuerklasse III
75.000 7 % 15 % 30 %
300.000 11 % 20 % 30 %
600.000 15 % 25 % 30 %
6.000.000 19 % 30 % 30 %
13.000.000 23 % 35 % 50 %
26.000.000 27 % 40 % 50 %
Ab 26.000.001 30 % 43 % 50 %

Das ist der Versorgungsfreibetrag

Zusätzlich zum üblichen Erbschaftssteuerfreibetrag gibt es den sogenannten Versorgungsfreibetrag, der in gewissen Fällen greift. Hierbei handelt es sich um eine zusätzliche Summe, die steuerfrei bleibt.

  • Ehepartner sowie eingetragene Lebenspartner: 256.000 Euro
  • Kinder mit einem Alter von bis zu fünf Jahre: 52.000 Euro
  • Kinder zwischen 20 und 27 Jahren: 10.300 Euro

Selbstredend gelten diese zusätzlichen Freibeträge für leibliche wie auch adoptierte Kinder.

Wichtig! Erhalten die genannten Personen eine Hinterbliebenenrente, wird dieser Freibetrag gekürzt. Die genaue Höhe ist zu variabel, um hier fixe Angaben machen zu können.

Testament und Erbvertrag – gibt es einen Unterschied? Was ist zu beachten?

Du hast für Dein Erbe entweder die Möglichkeit, ein Testament anzulegen oder es mithilfe eines Erbvertrags zu regeln. Beides muss notariell beglaubigt werden, aber es gibt drei grundlegende Unterschiede:

  • Das Testament kann jederzeit widerrufen werden, der Erbvertrag hingegen nicht. Der bindet nämlich die Vertragsparteien an seinen Inhalt.
  • Während außerdem das Testament im Nachgang nochmal angepasst werden kann, ist das beim Erbvertrag nicht der Fall.
  • Der Erbvertrag ist aufwendiger zu gestalten und verursacht daher auch höhere Notarkosten.

Dass der Erbvertrag durch einen Notar beurkundet werden muss, wird unter § 2276 BGB geregelt. Sollte ein solches Schriftstück aus welchem Grund auch immer nicht gesetzeswirksam sein, kann es aber nach § 140 BGB zu einem Testament werden.